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Bloggende Väter
(Ausbaufähig.)
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Abbitte
Wer hier mitliest, erinnert sich bestimmt noch an den Umwandlungsprozess für den Schrank am Ende des langen Flurs, den ich zähneknirschend zunächst akzeptiert hatte, um drei Jahre später dann das hässliche Furnier abzuschleifen und die hässlichen Griffe gegen schöne Porzellanknöpfe zu tauschen ... wohl wissend, dass der mit uns befreundete Schreiner es nur gut gemeint hatte und nun ein bisschen beleidigt sein würde.
Er kam aber sehr schnell darüber hinweg, das muss ich ihm lassen. Und ich habe mich innerlich von dem Tisch verabschiedet, der noch bei ihm weilte, nachdem er mich anrief und mir ganz stolz erzählte, er habe “die Leisten neu draufgemacht”. Denn ich wusste ja: Erstens ist es jetzt zu spät für Protest, zweitens will ich ihn nicht schon wieder beleidigen und drittens hat er in bestem Gewissen gehandelt und einfach einen völlig anderen Geschmack als ich.
Also trauerte ich ein bisschen um den Tisch oder vielmehr um die Idee, die davon in meinem Kopf wohnte und beschloss, die Rückkehr des alten Möbelstücks einfach hinzunehmen, egal in welchem Zustand.
Der Tisch wurde vor langer Zeit von meinem Ururgroßvater selbst geschreinert, der Amtsrichter war und nicht Möbelschreiner, aber trotzdem einen feinen dunklen Eichentisch mit drei tiefen Frontschubladen gebaut hat. Ein schwerer, dunkler und extra hoher Tisch, denn auch die Ahnen waren schon große Leute.
Nachdem der Tisch den Ururgroßvater und die Urgroßmutter überlebt hatte, wurde er als Abstelltisch mitgeschleift, als die Großeltern umzogen. Meine Mutter nahm ihn dann mit in unser Haus und dort landete er irgendwann im Heizungskeller als Werkbank. Mein Vater klemmte Dinge an ihm fest und mein Bruder streifte seine Pinsel an ihm ab. Als er richtig “durch” war und wackelte, landete er in der Garage.
Dort fand ich ihn wieder und zwang meinen Mann, einen Transporter zu mieten und das farbverschmierte Wrack aus dem Emsland zu retten.
Ja, ich weiß. Andere fanden das auch bekloppt.
Neue Tische kosten schließlich nicht so viel und machen nicht so einen Aufwand und lassen sich ggf. sogar auseinandernehmen .... aber diesen hat mein Ururgroßvater selbst gebaut. Ich wollte ihn haben.
Der alte Tisch stand auf unserer Baustelle herum und wurde als Ablage genutzt, bis unser Freund und Schreiner mal wieder vorbeikam und ihn mitnahm. Sandstrahlen sollte er ihn bitte für mich, danach wollte ich “mal schauen”.
Das ist ein halbes Jahr her.
Als er mich anrief und mir erzählte, er habe die Leisten neu angebracht, habe ich wirklich fast geweint. Ich wollte den alten Tisch sanieren, nicht irgendwas Neues, das vielleicht ganz anders aussah. Bevor ich meinen Frieden damit machen konnte, dass dieser Tisch nun eben eine weitere Entwicklung durchlaufen hatte und auch das Aufbringen neuer Leisten nun zu seiner Geschichte gehörte, dauerte es ein Weilchen.
Der Freund fragte, ob er den Tisch wachsen sollte und ich lehnte ab. Wenn von dem alten Tisch nichts mehr übrig war, konnte man ihn immer noch blau lackieren, dachte ich. Der Freund fragte auch, ob er den Tisch kürzen solle und ich konnte das glücklicherweise verhindern. Der Freund bot mir halbrunde Holzgriffe für die Schubladen an statt der alten Scharniere, auch das konnte ich abwenden.
Dann wartete ich halbwegs geduldig und erklärte mir selbst immer wieder, dass ich akzeptieren würde, was der Tisch nun war. Man könnte eine neue Tradition damit starten, wenn von der alten Idee nichts mehr übrig war, denn nun wackelte nichts mehr und auch die Laden waren wieder dicht. Egal wie der Tisch nun aussehen würde, ich würde etwas Gutes damit machen.
*
Heute kam der Tisch zu mir zurück und ich muss zugeben, dass ich erst noch 10 Minuten gewartet habe, bis ich in das Zimmer ging.
Der Tisch war mal dunkel geräuchert, schief und wackelig mit einer farbverklecksten Platte voll tiefer Löcher. Das ist vorbei. Der Tisch ist jetzt rundherum abgeschliffen, hat 8mm der dicken Platte gegen eine wunderbare helle Oberfläche ohne Macken getauscht und sieht einfach fantastisch aus.
Nur einölen muss ich ihn noch, dann kann er mit der fünften und sechsten Generation in Folge zusammenleben.
Ich freue mich. Sehr.
-
ich würde mich natürlich über ein Foto freuen!
Su-Mu am 11/13 um 02:56 PM -
Fotoooooooooo ;-) :-D
Silke am 11/13 um 06:54 PM -
Ein Vorher-Bild hab ich leider nicht, weil ich ja die ganze Zeit gedacht habe, ich würde ihn selbst noch fertigmachen, schleifen, färben. Der Tisch war aus dunkel geräucherter Eiche und an der Platte hatten 20 Jahre lang alle ihre Pinsel abgestrichen und Werkzeuge ausprobiert ....
Jetzt ist er wie “neu” und ich muss morgen bei Tageslicht mal schauen, was meine Kamera noch für Fotos hergibt. Silke schulde ich sowieso noch eins :-)))
Melody am 11/13 um 08:05 PM -
;-)
Silke am 11/13 um 08:20 PM -
Das ist aber schön, dass das Ganze so ein Happy End hat! :-) Bin auch schon gespannt auf ein Foto!
Lonari am 11/14 um 10:08 AM -
Wir haben exakt DIE Beschläge als Repro-Anfertigungen bei Ebay gefunden, es ist kaum zu fassen :-) wieder etwas, das alle als unmachbar bezeichneten und das funktionierte.
Das Öl ist auch schon da, hoffentlich schaffe ich das morgen, einölen und vorhernachher fotografieren :-)
Melody am 11/14 um 07:00 PM -
Auf das Foto freue ich mich schon.
Was für eine Geschichte mal wieder!
Sonja am 11/15 um 09:58 PM -
Daraus lerne ich schon mal, dass man sich die Arbeiten eines Schreiners angucken sollte bevor man ihn beauftragt. Aber die Geschichte ist schön, am meisten freut es mich für den Urgroßvater – unsterblich ist er nun auch für die nächste lange Zeit!
creezy am 11/17 um 08:31 AM -
Hatte ich, Creezy. Einen Faktor konnte ich nicht berücksichtigen: Dass er so stark seinen eigenen Geschmack einbringen möchte, sobald man befreundet ist, sobald er es besonders toll machen möchte.
Mich freut es auch, danke :-) und das Fräulein hatte gestern bereits Puppen in die extralangen Schubladen gelegt, was ordentlich Kraft gekostet haben muss, auf und zu ohne Beschläge ...
Melody am 11/17 um 11:07 AM -
Jetzt hab ich ein Bild eingestellt.
Melody am 11/19 um 12:21 AM
