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Bloggende Väter
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Alle meine Hühnchen scharrten in dem Stroh
Der Nachmittag stand ganz im Zeichen des Huhns. Statt einem Gast haben wir morgen Abend drei, und dann finde ich es doch weitaus schöner, wenn wir alle bei uns essen und nicht in das italienische Restaurant nebenan gehen, und so läute ich offiziell die Hühnertopfsaison ein. Nur damit Ihr Bescheid wisst :-)
Normalerweise würde ich Hühnersuppe dazu sagen, aber nicht bei diesem Huhn, das in seinem Leben offensichtlich bestrebt war, Putengröße zu erreichen.
Die Kinder bekommen zartes, dickes weißes Fleisch mit viel Gemüse im “traditionellen” Hühnersuppenformat, für die Großen werden wir Ingwer und Chili und Sahne und noch ein paar Kleinigkeiten unterbringen und einen richtigen Herz- und Magenwärmer kochen.
Während ich das Huhn vom zerkochten Erstgemüse befreite und mich das Fleisch abpflückend dafür bedankte, dass es morgen unser Essen sein wird, dachte ich an meine Tochter und daran, was sie in 40 Jahren vielleicht einmal sagen wird: »Meine Mutter hat immer alles selbst gekocht, dabei hätte es doch im Supermarkt so viele vorbereitete Sachen gegeben, das war total doof« vielleicht?
Meine eigene Mutter kann nicht gut kochen.
Sie tat es natürlich trotzdem und tut es noch, aber man hat immer gemerkt, dass sie mit Haushälterinnen aufgewachsen ist und kein Händchen dafür entwickelt hat. Mühe hat sie sich natürlich trotzdem gegeben, sehr viel sogar, wenn auch eher mit den “Regeln” drumherum und dem, was “man” unbedingt essen musste, als mit dem Geschmack. Das ist es ja, was mich so nachdenklich macht: Sie hat sich Mühe gegeben und nein, ich weiß es im Nachhinein nur mit dem Verstand zu schätzen, die Emotionen sind immer noch sehr abgeneigt.
Vierzig Jahre später zerteile ich frisches Gemüse, tauche meine Nase in Kräuter und Gewürze und kaufe nur Fleisch, das diesen Namen auch verdient hat, wie in einer völlig anderen Welt. Wird meine Tochter sich viereckige Tiefkühlpäckchen im Bio-Superduper-Convenience-Shop holen und dabei das Gefühl haben, dass sie eine ganz wesentliche Entwicklung durchlaufen hat, weg von dem altmodischen Weg, den sie zuhause erdulden musste?
Na.
Dagegen gibt es Mittel und Würze. Wir werden gemeinsam kochen, sobald sie über die Platte gucken kann und manchmal schon jetzt. Sie wird Linsen waschen und Salat zerpflücken und Radieschen naschen, dampfende Pasta in selbst gemachtem Pesto wälzen und echte Lebkuchen ausstechen. Es wird so normal für sie sein, sich bei beginnender Grippe eine Hühnersuppe mit Ingwer aufzusetzen, wie für andere der Griff nach Medikamenten und von klein auf wird sie erfahren, dass haltbar gemachtes Essen aus dem Supermarkt nicht mithalten kann mit dem, was man sich selbst zusammenstellen kann.
Wenn sie dann meint, sich als Erwachsene lieber Fertigprodukte kaufen zu müssen, soll sie das eben machen. Aber Kochen verlernt man nie wieder, wenn man es einmal kann. Und es würde mich auch sehr wundern, wenn sie dann lebenslang lieber Billigdreck mampft :-)
Ein paar Illusionen darf eine Mutter sich ja wohl machen.
(Abgesehen davon sind wir geistig sehr normal hier und betreiben das leckere Essen nicht fanatisch, natürlich nicht. Wir essen auch Pommes, wenn wir Lust darauf haben und alle anderen Dinge auch, die uns reizen. Ziel ist einfach nur, dass 95% handgemachtes frisches Essen auf den Tisch kommt, statt Konserven - Tiefkühlkost - Fertigwürzen - Fast Food. Ich glaube, Bio-Brühwürfel aus dem Reformhaus sind so ziemlich das einzige Fertigprodukt, das mir auf Anhieb einfällt. Neben Kokosmilch in der Dose und Mais, ok. Wie gesagt. Nicht fanatisch.)
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Update: Endlich mal ein netter Kommentar zu einem meiner Lieblingskuchen.
Und ein Tiramisu-Rezept mit weniger Mascarpone und ohne Alkohol, kann ich nur wärmstens empfehlen (zieht gerade durch *g*)
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Hihi, Sirja liebt das gemeinsame Kochen. Vorhin haben wir zusammen die Gemüsepfanne vorbereitet. Dabei hat sie dann erst die Frühlingszwiebeln vom einen Becher in den nächsten geräumt, weil ich das ja völlig falsch gemacht hatte (die Becher sind alle aus weissem Steingut..), um dann die Positionen der leeren Schüssel und der Zucchinischüssel zu korrigieren, und dabei immer kräftig zu naschen. Die Kartoffeln musste sie dringend festhalten, bevor ich sie schälen konnte. Die hat sie roh übrigens nicht genascht. Die Dose Mais wurde genau vorgekostet, es hätte ja sein können, dass die gar nicht schmeckt und ich da Blödsinn in die Pfanne kippen wollte.. Und die Tomaten.. nun, immerhin sind noch ein paar in der Pfanne gelandet.
Das umrühren ist ihre Aufgabe gewesen, dass etwas daneben gegangen ist, haben wir beide ignoriert. Auch das zufügen der Zutaten in die Pfanne war ihre Sache, somit kam alles schneller als gedacht zusammen. Aber was solls. Essen wollte sie es nachher nicht, das lag aber an den Keksen, die sie zwischenzeitlich gefunden und gefuttert hatte. ;)
Und während wir in der Küche gekocht haben, hat sie dem Papa, der auf dem Balkon rauchen war, zugerufen, dass wir jetzt kochen würden, er bitte gleich zum Essen kommen müsse und sie helfen würde. Und sah total glücklich und stolz dabei aus :)
Lia am 09/05 um 09:54 PM -
Ach, wie lieb - danke für diesen netten Bericht, ich hatte richtig Gänsehaut der besten Sorte, so schön liest sich das.
Hoffentlich sind wir in einem Jahr auch so weit :-)
Melody am 09/05 um 09:58 PM -
Meine Mutter kann auch ganz gut kochen, aber wir haben früher auch viel aus der Dose oder dem Beutel gemacht. Gesund war das nicht immer, glaube ich. ;-)
Was ich sagen wollte: Kaum, dass ich allein gewohnt hab, hab ich angefangen, selbst zu kochen und auszuprobieren. Und was heute in meiner Küche abgeht, hast Du ja grad selbst gesehen. ;-)
Ich denke, wenn man es als Kind nicht anders gewöhnt ist, dass man Essen meistens selber zubereitet, wird man das auch später so halten. Und vor allem schmeckt einem dann der ganze Dosenfraß auch gar nicht mehr so gut.
Kirsten am 09/06 um 06:59 AM -
Hoffentlich.
Aber es könnte natürlich auch sein, dass der ganze vorgefertigte Dreck durch hochwertige, echte Bio-Sachen ohne Tonnen von unauffälligen Zusatzstoffen ergänzt wird, bis meine Tocher so weit ist. Ein Markt ist da.
Dass du selbst kochst, hab ich gesehen, ja :-))))
Melody am 09/06 um 12:24 PM -
Ich habe dank Bioabo übrigens festgestellt, dass frischer Mais millionenmal besser schmeckt als der aus der Dose. Hätte ich nicht gedacht. (Ansonsten hier: ähnlich)
Frau Brüllen am 09/07 um 06:02 PM -
Frischer Mais? Meinst du, damit kann ich meine Abneigung noch mal prüfen? Probier ich aus, wenn ich mal welchen sehe :-)
Die Chilihuhnsuppe kam so gut an, dass die eine (erwachsene) Gästin sich geweigert hat, etwas anderes zu essen ... und drei Tage lang diese Suppe gelöffelt hat. Heute Abend den letzten Rest :-)))
Suppenhuhn mit Gemüse wie gehabt, aber mit einem EL frischem Ingwer (gerieben), einer Prise Thymian, Bambussprossenscheiben und einer Dose Kokosmilch: Sehr sehr lecker (und so schnell gemacht ...).
:-)Melody am 09/08 um 10:18 PM -
Ich denke, einem Kind Respekt vor dem Essen und dessen Herkunft und Freude am Essen und dessen Zubereitung frühzeitig zu vermitteln, das ist ein ein sehr hohes Stück Kultur, das einem Kind mit auf dem Weg zu gegeben nicht hoch genug geschätzt werden kann. Vor allem wird damit dem Geschmack die Chance gegeben, sich zu entwickeln. Kinder haben einen guten Instinkt für echtes und gut schmeckende Essen – es muss ihnen nur serviert werden, wer in frühen Jahren keine Gurke mit echtem Geschmack trifft, wird deren Großartigkeit natürlich nicht schätzen lernen.
Ich habe mir später was das Kochen angeht sehr viel selber beibringen müssen, meine Mum als auch Oma haben sehr gut gekocht, es aber nicht unbedingt ausgeprägt uns Kindern vermittelt. Eigentlich habe ich erst angefangen richtig zu kochen in meiner ersten eigenen Küche. Es hat sich entwickelt. Aber der Grundstock wurde natürlich zu Hause gelegt, weil ich den Geschmack von selbst zubereiteten Essen nie in den Fertiggerichten finden konnte. Was mir auf Dauer nicht angenehm war. Sehr geprägt wurde ich übrigens auch, durch das (wenige) Gemüse, (mehr) Obst aus Omas Garten. Wer als Kind auf Apfel und Apfelsaft aus echten Äpfeln trifft, guckt Granny Smith eben nicht mehr mit dem Hintern an … ,-)
Ich kann mich erinnern, ich liebte schon als Kind Eintöpfe jeder Art (im Gegensatz zu meinem Bruder für den sie eine Qual waren aber eigentlich nur, weil er Porree bis zum Erbrechen nicht ertrug), litt aber jedes Mal sehr, wenn im Kindergarten/Hort die Eintöpfe aus der Industrieküche aufgetragen wurden: meine Mutter kochte für uns, damals recht passabel und immer unter finanziellen Druck. Sie kochte aber immer besser als das was damals schon so „fertig“ daher kam. Ich hätte es in dem Alter nicht in Worte fassen können, heute weiß ich, was ich für ein Glück hatte mit einer Mum, deren Essen so gut schmeckte (natürlich haben wir Kinder es nicht immer entsprechend goutieren können.) Kindern die Freiheit zu geben, frühzeitig einen Geschmack zu entwickeln, ist die halbe Miete.
Ich finde es völlig okay, mit einem Kind mal zu McDonalds zu gehen – schon dem Spaß zuliebe – aber wenn man dann einen Tag später Burger selber macht, das Kind selber mit dem Hack kämpfen darf, sie später selber Burgertürme zusammen bauen dürfen, da wird beim Kind problemlos der Groschen fallen.
creezy am 09/09 um 12:20 PM
