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Die Liste, die es niemals gab

Nur weil man die passende Antwort wüsste, muss man sie noch lange nicht sagen. Das habe ich gelernt. Nicht früh, aber immerhin.

Noch etwas später begriff ich dann endlich, dass viele Fragen anderer Menschen keine sind, sondern selbstbestätigende Monologe. Oft beginnen diese mit einem satten »Wieso machst du eigentlich - also ICH könnte ja nicht ...« und sprudeln dann literweise Begründungen.

Wenn man da erwähnen würde, einen anderen Standpunkt einzunehmen, hätte man nicht etwa ein Gespräch an der Backe, sondern einen selbstbestätigenden selbstverstärkenden Monolog mit Option auf Stutenbissigkeiten und Seitenhiebe.

Denn oft wird eine Meinung umso vehementer vertreten, je unsicherer die Person eigentlich ist. Wenn man selbst gelassen ist, werden sie auch noch aggressiv, wenn man Pech hat.

Es ist also zeitsparend, nervenschonend und einfach nur recht praktisch, früh in einer Unterhaltung richtig abzubiegen, wenn man merkt: Das ist ja gar kein Gespräch, sondern nur ein Monolog.

Und die Liste.

Auf der stehen alle Antworten, die ich mir um des lieben Friedens willen

zwecks Nervenschonung verkniffen habe (und noch ein paar andere Dinge).

Heute schrieb ich mit unsichtbarer Tinte auf die unhörbare Liste, während ich stundenlang beschallt wurde:

»Es ist wirklich nicht nötig, dass du mir nun zum achten Mal erzählst, wie saufroh du darüber bist, dass deine Kinder aus dem Gröbsten raus sind und dass du mich ganz unendlich bedauerst, weil hier noch Windeln gewechselt werden.

Wir wechseln genau diese Windeln nämlich sehr sehr gerne und ich betrachte es als großes und kostbares Geschenk, dass ich ganz wie ich will leben kann, viele Jahre hemmungslos und frei sein durfte, dann diese große Liebe fand, erst beruflichen Erfolg in einer Firma kennen lernte, dann berufliche Erfüllung als Autorin und Selbstständige erfuhr und jetzt in genau diesem Alter doch noch Mutter werden durfte, wo es so perfekt passt und wir unser Leben so flexibel gestalten können. Einen besseren Plan oder Zeitplan hätte für mich niemand entwerfen können und ich bin tief dankbar für mein Leben.

P.S. Ich kann auch nichts dafür, dass du gleich deinen ersten Freund geheiratet hast.«

Komisch, es sind so oft die unzufriedenen Anderen, die einen daran erinnern, wie dankbar man im Grunde ist.

Mother of One am 18. April 2008

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