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Ghosts from the Past
Gestern habe ich mich auf einer Schulfreunde-Wiederfindbörse vergnügt, nachdem ein paar Klassenkameraden mich bei Xing gefunden haben und umgekehrt. Dabei fand ich auch einige der alten »Kameraden« wieder, deren Clique mir Zigaretten auf dem Handrücken ausgedrückt hat, wenn ich mich im Unterricht zu oft erfolgreich meldete. Diese Kinder hätten auf die Hauptschule gehört, waren aber noch gewaltsam vor der Orientierungsstufe ins Gymnasium gequetscht worden ... und da waren sie dann, erfüllten alle blöden Klischees, rotteten sich zu einer miesen Mobber-Clique zusammen und quälten sich notentechnisch irgendwie bis zur 9. oder 10. Klasse durch.
Nun funktionieren diese Börsen ja so, dass Vernetzung dabei hilft, gefunden zu werden und je mehr Kontakte, desto größer die Chancen auf Zufallstreffer. Ich kontaktklickte also die ehemalige Klassenschönheit, vor dreißig Jahren ein früh verruchter Rauschgoldengel mit großer Klappe und bald auch einem ‘Ruf’. Ganz sicher aber war sie schon damals mit einem herausragenden Selbstbewusstsein ausgestattet.
Dieses Mädchen hat auf meinem Geburtstag in meinem eigenen Partykeller das Lied “Dicke” von Marius Müller-Westernhagen mehrmals nacheinander aufgelegt – was für einen pummeligen Teenager nicht so toll war, aber das war ja der Grund, warum sie es tat. Sie standen dann alle mit ihren Bierflaschen und kicherten, glotzten mich an und grölten laut mit und amüsierten sich köstlich, vermutlich über meinen Gesichtsausdruck. So eine Clique war das, und ihre ungekrönte Königin war diese Andrea.
(Man hat damals übrigens immer die ganze Klasse eingeladen bei uns, falls sich jemand fragen sollte, wie die denn auf meine Party kamen.)
Warum ich nun ausgerechnet sie kontaktiert habe …? Weil ich gar nicht mehr daran gedacht habe, was da alles passiert ist und sie hat natürlich keine Bedeutung mehr für mich: Außer eben erhöhten Kontaktchancen allgemein auf dieser Plattform, denn die kannte ja alle.
Was ihr Verhalten von damals angeht: Ich habe mich längst daran gewöhnt, dass ich immer die niedersten Viecher anziehe. So wie andere in Hundekacke treten, sobald sie nur das Haus verlassen, verbeißen sich an mir in schöner Regelmäßigkeit irgendwelche völlig verbiesterten komplexgeplagten Tussen. Meist sind sie eher klein, finden sich sehr wichtig und sind ungemein empört, wenn man diese Wichtigkeit nicht SOFORT bemerkt. Ähem. Und das mir. Ich merke eigentlich nie, wenn sich jemand wichtig findet, sondern eher nur, wen ich nett finde.
Auch diese hatte ich ja schon völlig vergessen, bis zum Kontaktklick. Über den ich eventuell mehr hätte nachdenken sollen, denn wir haben sicherlich keine Basis für eine innige Brieffreundschaft.
Nun schrieb sie mir sofort: »Ich kann mich sogar noch sehr gut an Dich erinnern!
Sagen wir es mal so - Du warst damals immer etwas pummelig und wurdest sehr von den anderen gehänselt-ich hoffe, Du bist mir darüber nicht böse!
Ich mochte Dich aber, und ich weiß noch, daß ich oft bei Dir Zuhause war - Du hattest - ich hoffe immernoch-eine total nette Mutter!
Auf jeden Fall hast Du Dich offensichtlich sehr zu deinem Vorteil verändert!«
Und ich musste irgendwie sehr lachen.
Da sitzt sie nun, ein gealterter Rauschgoldengel, ist Verkäuferin in einem Drogeriemarkt und schreibt mir, ich hätte mich zu meinem Vorteil verändert. So kann man das natürlich auch sehen.
Stimmt schon.
:-)
Hänseln würde ich das übrigens nicht nennen, was die gemacht haben. Ich habe eine Narbe auf dem Oberschenkel von einem Zirkel und zwei auf der Hand von Zigaretten.
Nein, das war nicht dieses Mädchen. Aber sie hat gehetzt und gehasst und ermuntert und die Jungs ausgiebig bewundert für ihre .... “Hänseleien”.
p.s. Aber ich war nett. Ich habe ihr geschrieben, dass ich bei dieser Drogeriekette am liebsten einkaufe, was auch stimmt.
-
Man sieht sich immer zweimal im Leben. Nicht nur ein blöder Spruch. Und so eine Clique gabs auch bei mir.
Einen der Wortführer habe ich Jahre später wiedergetroffen - ich war Redakteurin und zuständig für die Lehrlinge, er hatte seinen ersten Tag als Verlagskaufmann. Was habe ich mich gefreut… :-)))
Viele Grüße!Britta
Britta am 01/29 um 12:41 PM -
PS. Natürlich habe ich ihn stets völlig korrekt behandelt. Mir hat es genügt, die nackte Angst in seinen Augen zu sehen, immer wenn ich ihn zu mir zitiert habe.
Britta am 01/29 um 12:46 PM -
Huhu Britta, dir wollte ich auch noch eine Gratulationsmail schreiben an diesem Wochenende :-)))) du weißt ja weshalb. Dann eben hier: Spread your wings and fly, ich finde es wunderbar :-))))
Ja, man sieht sich zweimal, und manchmal liest man auch einfach nur und kann teintverbessernd lachen.
Und dein Rädelsführer, was für eine Wurst. Was hat er denn gedacht, was du mit ihm machst?
Melody am 01/29 um 01:15 PM -
Mhh. Bei mir war das eher anders herum.
Vor 20 Jahren gehörte man in einer bayerischen Kleinstadt schon zur Elite, wenn man aufs Gymnasium ging. Und wenn dein Papa nur ein Mechaniker war, hattest du dort nichts verloren.
Beim Übertritt war ich Klassenbeste.
Nach drei Jahren, zwei Nasenfrakturen und diversen Hämatomen (von den wahnsinnig vielen Fehltagen fange ich besser gar nicht erst an) wurde ich entgültig hinauskomplimentiert.
Klar, das böse graue Mäuschen konnte sich nicht eingliedern.
Meine Abschlüsse habe ich dann als “Externe”, bzw. auf dem 2.Bildungsweg nachgeholt.
Ich wollte damit nur sagen, dass nicht nur “Minderintelligente” grausam sein können.Lilo am 02/12 um 01:22 PM -
Lilo, das tut mir leid. Nasenfrakturen ... warum bitte hat denn keiner der Lehrer etwas gemacht?? Ja, ich weiß. Blöde Frage. Aber trotzdem. Es muss doch auch mal ErzieherInnen geben, die in ihrem Beruf richtig gut sind, aber wo stecken die nur alle?
Was den Mechaniker-Papa angeht: Weiß ich nicht, ob der soziale Hintergrund etwas damit zu tun hat oder ob Mobbing-Cliquen sich nicht grundsätzlich jemanden raussuchen, den sie beneiden, den sie zerstören wollen, weil sie es nicht ertragen, dass sie/er Dinge kann, die sie sich höchstens durch Beziehungen kaufen könnten.
Weil Neid auch durch die süßlichste Maske frisst. Weil es Menschen gibt, die von innen leuchten und denen kein Mobbing das wegnehmen kann. Während andere von innen vermodern, ich könnte da jetzt Beispiele nennen :-))))))))))))))))))
aber die würden dir glücklicherweise nichts sagen *g*Manchmal passt es einfach nicht, und Mobbing kann auf jeder Schule und in jedem Alter auftreten.
Wie gebildet oder nicht gebildet die Eltern dieser Clique waren, weiß ich zB nicht bei allen. Ich weiß nur: Die wollten nicht lernen - ob intelligent oder eher nicht so - die wollten Randale, Saufen, Mobben, sich um jeden Preis hart amüsieren. Für mich waren sie Drecksgsindel, auch der Sohn vom Arzt, auch die Tochter der Studienrätin. Andere Mobber, denen ich begegnete (online zB), bildeten sich sogar sehr was auf ihren Intellekt ein. Hat ihnen auch nix geholfen, so weit ich das sehe. Wer mobbt, modert ... und wenn das große Karmapendel zurückschwingt, sieht man schon, was dabei herauskam.
Und natürlich freue ich mich, dass ich ein paar Dinge erreicht habe und keine Verkäuferin bin, denn das wäre kein guter Job für mich aus tausend Gründen von der Höhe der Einnahmen angefangen - aber deswegen ist sie nicht “minderintelligent”. Sie hat ihre Karten falsch gespielt oder sich auf ihre Goldlöckchen verlassen und vielleicht findet sie es ja auch super. Geht mich nix an.
Für dich, mir noch unbekannte Lilo, hoffe ich aber, dass du weit, weit weg bist von deiner bayrischen Kleinstadthölle. So wie ich von meiner.
Melody am 02/12 um 09:44 PM
