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Hühnersuppentopf
Eigentlich ein Eintrag für die Kuechenzeilen, aber vielleicht auch nicht. Denn kann man es schon Kochen nennen, wenn man ein Kompletthuhn in einen Topf schmeisst, Möhren, Porree, Zwiebeln, Suppengemüse und Wasser draufkippt, alles pfeffert und salzt und das Beste hofft?
Tatsächlich habe ich noch nie »typisch deutsch« gekocht, kann keinen Braten, will keine Knödel machen und muss jedes Mal lachen, wenn ich feststelle: Dank mitessendem Kind liegen vor uns auf dem Teller alle Zutaten der bürgerlichen Mittagstischdreifaltigkeit in bio und light: Ordentlicher Batzen Gemüse, Kartoffel oder Vollkornreis oder Nudeln, ein bisschen gutes Fleisch vom Biometzger.
Vorher, unbekümmert und zu zweit chaotisch, haben wir mal so - mal so gegessen, worauf wir gerade Lust hatten. Vieles aus dem Wok, oft Chili oder Salatplatten mit geröstetem Geflügel, mal nur Obst, mal nur Quark, mal eine Platte vom Griechen etc.
Das geht jetzt nicht mehr, nun müssen wir einem kleinen Menschen gegenüber normales und halbwegs ausgeglichenes erwachsenes Essverhalten simulieren, und zwar so lange, bis wir es uns tatsächlich angeeignet haben. Der Haushaltskasse tut es auch gut, das mal am Rande.
Hühnersuppe also diesmal. Schwer kann es nicht sein. (Oder?!)
Das Kind allerdings warf mir einen höchst skeptischen Blick zu, als ich das gefrorene Huhn am Stück mit Schwung in den Topf warf.
Natürlich sollte es gar nicht gefroren sein und schon gar nicht aus dem Supermarkt (kotz). Aber der Mann hat auf die Schnelle kein anderes gefunden und sich kaputtgelacht, als ich mich beschwerte, dass ich in einem gefrorenen Hühnerpo nicht forschen könne, ob ein Beutel mit Innereien drinnen ist.
Angeblich hat es keinen, auf der Packung steht “ohne Innereien”.
Wehe, es hat doch.
Jetzt lag also ein leicht angetautes Huhn in der Spüle und das sah ein bisschen so aus, als wäre es zu spät zum Zurückbringen, also rein in den Topf.
Ich will doch nur Hühnersuppe. Magenwärmend, virentötend, klischeelastig, lecker. Warum sind die typischen Gerichte der Kindheit immer mit so emotionalen Kochvorgängen verbunden? Meine Mutter hat doch überhaupt keine Hühnersuppen gekocht ...
-
Das Huhn hatte leider eine Ballettkarriere, oder warum spreizt es sich so?
Genau in diesem Moment finde ich es eine sehr dumme Idee, Kompletthühner zu kochen :(
(Selbstgespräche, jaja.)
Melody am 09/01 um 08:16 PM -
Update: Nachdem ich gestern noch eher unglücklich mit diesem toten Tier in meinem Topf war, hat die Hühnersupppe sich nach der Folgebehandlung zu einem ziemlich köstlichen Gericht gemausert.
Komisch, aber ich hätte es auch nicht schlimm gefunden, wenn es doch nicht ganz so simpel gewesen wäre, dass jeder Volldepp das kann - ich wäre absolut bereit gewesen, Hühnersuppenkochen sorgfältig zu erlernen.
Melody am 09/02 um 09:30 AM -
Bei uns hat die Aussage unserer 4jährigen Tochter (damals) das Eßverhalten revoluitoniert: Koch doch mal so wie bei Oma! Gerade das wollte ich eigentlich nie tun, traditionelle deutsche Küche im Dreiklang von Gemüse, Kartoffeln und Fleisch. Über die Jahre modifiziert zu einer Light Variante geht es ganz gut und das Kind ist weder magersüchtig noch das Gegenteil davon geworden, sondern kommt mittlerweile 22jährig immer noch gern zum Essen zu uns.
Jetzt, anderer Mann, anderes Kind gibt es eher kulturelle Probleme, da der Mann Australier ist und (wirklich) ganz andere Vorstellungen von guter Ernährung hat…
lg Gudrun
Gudrun am 09/02 um 07:47 PM -
Hallo Gudrun, ja genau - die light Variante, und natürlich so, dass es schmeckt. Aber dieses Dreiklang-Essen hat ja auch Vorteile, es ist meist alles dabei was man so braucht, oft kann man ein Resteessen machen und planen lässt es sich auch gut, das muss ich zugeben.
Australisches Essen finde ich spontan eine spannende Herausforderung, dazu fällt mir Porridge ein, Aprikosenhuhn (?), Crumble Cakes, Pasteten und Garnelen in Kokoscreme, oder hab ich die falsch eingeordnet? Inwiefern weichen denn die Vorstellungen ab, findet er andere Sachen gesund als du oder schmeckt ihm einfach nichts deutsches?
Melody am 09/02 um 07:53 PM -
Ja kann man, das ist das Geheimnis von Hühnersuppe. Das Ding funktioniert nur, wenn das Suppenhuhn Lust hat mitzuspielen. Man selber kann nicht mehr tun als es höflich vor sich hinköcheln zu lassen. Eventuell noch geröstete Zwiebelhälften (mit Schale) dazu geben, für die Farbe.
Die Variante mit Plastiksäckchen und Innereien mitkochen, werde ich aber auch bei Gelegenheit einmal ausprobieren, scheint mir gewinnbringend zu sein. ,-)
creezy am 09/09 um 08:21 AM -
Hab ich ja gar nicht, Creezy - ich hab es nur befürchtet :-)
Die Suppe ist dann noch sehr lecker geworden und ich habe mir die Portionen eingefroren, die ich für die nächste Grippe auf Vorrat haben möchte, denn die Grippe kommt bestimmt, es wird ein klirrend kalter Winter.
Das Auseinanderpuzzeln von dem Huhn war aber ultrafies.
Melody am 09/09 um 09:07 AM -
Das ist auch fies. Insbesondere wenn man – wie ich – ‘ne gesunde Vogelphobie hat und Panik vor toten Vögeln. Jahrelang habe ich immer nur Keulen abgekocht. Irgendwann mal ein frisches halbes Huhn vom Markt (das ist dann doch ein Unterschied in der Suppe)l. Mittlerweile geht es – sind aber die 15 Minuten in denen ich nicht viel denke. ,-)
Aber ich habe das auch für nächstes WE auf dem Plan: Gemüsebrühe und Hühnersuppe. Und endlich mal wieder Bratheringe selber machen …
creezy am 09/09 um 07:32 PM
