AlphaMama

Shit happens. | Work@home Mum (geht nicht gibt' s nicht).

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Ich bin noch da, irgendwie.

Fast zehn Monate nach dem Brand kämpfen wir immer noch mit den Folgen, warten immer noch auf unsere Wohnung, hat die Hausratversicherung immer noch nicht vollständig reguliert. Immerhin sitzen wir nicht mehr zwischen Pappkartons und ich musste mir schon (freundlich gemeint) anhören: “Du darfst gar nicht klagen, so wohnen manche Leute immer”.

Ja schon. Aber ich doch nicht :-)

Wenn man zuhause arbeitet, wenn man chronisch krank und auch sonst viel daheim ist und wenn man beinahe mal Innenarchitektin geworden wäre, wenn man selbst Möbel aufarbeitet und sich wonnevoll tagelang mit Farben und Details beschäftigt, dann kann man auch nach fast einem Jahr immer noch nicht über die einstaubenden Kleiderständer, die braunen Plastikpaneele an der Decke und die Kistenberge in den Ecken hinwegsehen. Ich bin da etwas festgefahren, ich brauche Ordnung und Strukturen um mich herum. Oder, wie eine Dame aus unserem Haus es ins Gästebuch der Spendenseite schrieb “Carola will es schön haben!”

Genau. Das auch.

*

An manchen Tagen sitze ich mit geschlossenen Augen vor dem PC und bin einfach nur unendlich dankbar dafür, wie viel Glück im Unglück wir hatten und dass keiner in diesem Feuer umgekommen ist. Nur wir haben unsere Wohnung verloren, alle anderen konnten bereits am nächsten Tag zurück, auch das ist Glück im Unglück.

Letzte Woche war ich bei der Pediküre,  ich habe einen zur Hälfte amputierten Zehennagel und ab und zu sollte da ein Profi draufschauen. Die junge Dame versicherte mir (erleichtert vermutlich), ich hätte ja sehr schöne Füsse (was immer sie auch erwartet hatte *g*) und stellte dann fest, dass sich die Zehen teilweise nicht mehr bewegen lassen.

Wie erklärt man jemandem, dass man sich drei Zehen und das Steißbein brechen kann, sich nicht darum kümmert und trotzdem immer weiter läuft, lächelt, funktioniert?

Am besten, man erklärt gar nicht immer so viel.

Mother of One am 03. Mai 2011
  1. Mit dem Lächeln geht’s halt leider nicht weg - weder die kaputten Zehen, noch das traumatische Erlebnis - magst du nicht mal zum Arzt gehen (wegen Steißbein und möglicherweise wegen posttraumatischen Störungen)?

    Gibt es denn inzwischen wenigstens eine zeitliche Perspektive, wann ihr wieder in eure Wohnung dürft?

    Liebe Grüße

    Eva

    Eva Schumann am 05/03 um 11:30 AM
  2. Es ist ja nicht so, als wäre ich nicht bei Ärzten gewesen, Eva :-) aber das sind keine Themen fürs Blog.

    Nein, leider habe ich immer noch keinen Zeitplan erfahren können, nicht einmal der Abriss (!) hat schon begonnen.

    Melody am 05/03 um 11:35 AM
  3. Ja, ich kann mir vorstellen, dass es schwer auszuhalten ist und auch dankbar sein, mag man nicht immer. Auch der Verweis auf andere, denen es noch schlechter geht, hilft nur bedingt, wenn überhaupt.

    Ich habe mir für mich überlegt, daß jeder so einen “Korb” voll mit Sorgen, Problemen etc. hat. Und der ist bei jedem voll, nur mit unterschiedlichen Dingen eben. Da gibt es sicher Leute, denen es schlechter geht, es gibt auch welche, denen es besser geht. Entscheidend ist aber: dein Korb ist voll mit deinem persönlichen Inhalt, und das reicht. Mir hat dies Modell dabei geholfen, besser mit anderen umzugehen z.B. mit Mütter, die bei einer Mittelohrentzündung total im Stress sind, während ich OP-Termine plane und überlege, ob ich die Herz-OP vor die Wirbelsäulen-OP lege oder umgekehrt. Klingt vielleicht blöd, aber hat mir Gelassenheit gebracht.

    Und das immer Weitermachen kenne ich auch: kaum Zeit für sich selbst um z.B. zum Zahnarzt zugehen (führt bei mir im Moment dazu alle Inlays mal rauszunehmen), weil ich mit der Tochter schon genug in therapeutischen Bereichen rumhänge.

    Da ich ja auch viel daheim bin, folgt bei mir auch innere Struktur folgt äußerer Struktur und in so einem Provisorium ist das dann nur schlecht auszuhalten. Und das es so lange dauert, geht für mich als notorisch ungeduldigem Menschen gar nicht.

    Ich hoffe, es tut sich bald was auf der Baustelle,
    damit es euch besser geht

    lg gudrun

    Gudrun am 05/03 um 04:11 PM
  4. Danke, Gudrun.

    “Jeder ist sich selbst der Nächste” hat viele Facetten, wir haben die meisten nun kennengelernt seit dem Brand ;-)) aber dein Korbvergleich gefällt mir besser. Wobei ich deine Stärke bewundere - deine Tochter hat großes Glück.

    Melody am 05/03 um 08:12 PM
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