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Klischees mit Wahrheitsgehalt

Es gibt keinen Satz, den ich im Mama-Zusammenhang so häufig höre wie diesen: »Das [dieses Kind so pflegeleicht drauf ist] liegt daran, dass ihr selbst auch so locker und entspannt seid.«

Einerseits denke ich dann: Moment mal. Das klingt ja so, als wäre jede Frau mit einem Stresskind »selbst schuld«, und so ist es ja nun absolut nicht.

Menschen sind verschieden, auch die kleinen. Das ist nun mal so und gut und richtig, deswegen kann man nicht immer gleich nach einem Schuldigen oder Auslöser suchen.

Andererseits stimmt es natürlich, die hyperanstrengenden Kinder [die ich beobachte oder von denen ich lese] gehören ganz unglaublich oft zu hyperanstrengenden Müttern.

Die sich natürlich selbst gar nicht anstrengend finden.

Die wahrscheinlich eher mich anstrengend finden, spätestens wenn ich sie anstrengend finde. Oder so. Ich habe das Gefühl, mich hier auf Glatteis zu begeben und den Punkt zu erreichen, an dem unweigerlich irgendwer beleidigt ist.

Dabei will ich doch bloß bloggen: Irgendwas ist dran an dem Spruch »Nervensägende Kinder werden durch nervensägende Eltern erzeugt«. Sehr sehr viele Stresskinder sind so, weil ihre Eltern rumstressen.

Aber deswegen gilt er noch lange nicht für alle und jeden und schon deswegen sollte man ihn immer nur zu den Eltern entspannter Kinder sagen.

Und nie zu denen von Stresspöckchen.

Oder zu mir, denn ich hinterfrage ihn offensichtlich zu sehr :-)

Mother of One am 19. Februar 2009
  1. ja, da gibt es oft so einen Teufelskreis zwischen Eltern und Kind, das Kind ist am Anfang etwas anstrengender, dann die entsprechende Elternreaktion dazu und schon ist man dabei sich gegenseitig hochzuschaukeln. Wenn meine Nr.2 mein erstes gewesen wäre, hätte ich auch gute Chancen gehabt, eine hyperanstrengende Mutter zu werden.

    Heute (das Kind Nr. 2 ist sieben) weiß ich wenigstens, warum sie die ersten sechs Monate fast nur gebrüllt hat: ihr Hörvermögen liegt weit über dem Durchschnitt, es war ihr das erste halbe Jahr schlicht zu laut, kein Scherz, kleine Ursache, große Wirkung.

    Zum Ausgleich ist ihre Schwester (6) dafür u.a. taub. Man kann es sich eben nicht aussuchen, aber versuchen, die Nerven zu behalten. Manche Kinder machen es da den Eltern leichter als andere.

    lg gudrun

    Gudrun am 02/19 um 08:19 PM
  2. Ja-ein. Oder konkreter: ja. Vielleicht auch nein. Aähem.

    Sicherlich spielt es eine Rolle, wie entspannt Eltern sind.
    Als Gegenargument biete ich allerdings drei Kinder, die unter ziemlich ähnlichen, entspannten Bedingungen aufwachsen und sich in Lockerheit und Entspanntheit deutlich unterscheiden. Schon immer.

    (allerdings könnten alle drei auch sehr viel anstrengender sein, wenn ich weniger entspannt wäre, dann käme es mir wahrscheinlich auch viel anstrengender vor)

    Frau ... äh ... Mutti am 02/19 um 08:27 PM
  3. Ich muss ein bisschen vorsichtig formulieren, auch wenn die Wahrscheinlichkeit nicht so groß ist, dass die Frau hierhinfindet, die diesen Gedankengang ausgelöst hat heute. Aber ich will keine Gefühle verletzen und ich sage auch jedes Mal ganz klar, dass ich es nicht so einfach finde wie dieser Spruch klingt (kriege ihn ja wirklich oft zu hören).

    Also ich sage ja sowieso, es ist ganz logisch, dass auch Kinder ganz unterschiedlich sind und selten ist jemand “schuld” daran, wenn eins seine Umwelt besonders herausfordert, oft ist das eben einfach so und auch OK so.

    Aber: Wenn eine Mutter hypernervös, überdreht und zappelig ist, mit sich selbst nicht im Reinen und ewig darauf bedacht, in irgendeinem bestimmten Licht zu stehen, ist es offensichtlich sehr unwahrscheinlich, dass sie ein entspanntes Kind hat, denn das färbt nun mal ab, wie sollte es auch nicht? Oder gibt es Kinder, die locker bleiben, wenn sie sich ununterbrochen in einem emotional hektischen Umfeld aufhalten? Das fällt mir schwer zu glauben.

    Melody am 02/19 um 08:39 PM
  4. P.S. ganz abgesehen davon gehe ich davon aus, dass unser Nachwuchs mir die Hölle heiß machen wird, also garantiert nicht so pflegeleicht und lässig bleibt. Schliesslich ist die Hälfte von mir, und meine Mutter freut sich schon sehr auf die ausgleichende Gerechtigkeit, an deren Eintreten sie nicht zweifelt.

    Melody am 02/19 um 08:41 PM
  5. Gudrun, das hört sich aber auch ausgesprochen anstrengend und herausfordernd für dich an.

    Frau Mutti, die Berichte von den drei hinreißenden Bestien klingen auch nicht nervig in diesem zermürbenden Sinne, sondern sehr lebendig: Das frisst zwar Energie, gibt aber auch tonnenweise zurück.

    Melody am 02/19 um 08:47 PM
  6. Es gibt aber auch Kinder, die als pflegeleicht gelten, die ich zum Beispiel extrem anstrengend finde. Wenn man diese Kinder bespaßen will und sie einfach nur ruhig dasitzen und garnichts machen. Extrem anstrengend :)

    Da hab ich lieber meine Rasselbande und bin abends einfach erschöpft, aber hab das Gefühl Kinder zu haben und nicht kleine Roboter.

    Aber genervte Muttis erzeugen anstrengende Kinder, da stimm ich dir zu.

    seyrah am 02/22 um 10:45 PM
  7. Seyrah, ich überlege jetzt gerade, ob ich so ein Kind schon mal getroffen habe. Eigentlich nicht, oder wenn, habe ich es verdrängt.

    Was unseres angeht, so habe ich wohl oft genug erklärt, dass sie durchschläft, so dass sie heute Abend mal ein Konzert gibt und die Oma zuplärrt, die sich SELBSTVERSTÄNDLICH von mir nicht sagen lässt, wie man das Kind zu Bett bringt, weil Omas sind ja grundsätzlich viel intelligenter als Mütter und bla bla bla (merkt man, dass ich gerade recht genervt bin?!).

    Egal, auch dieser Besuch geht vorbei.

    Sind bei dir alle wieder fit und gesund? k3 hat ja so eine süße Schnute, ich schau mir das “auf dem Arm Foto” immer wieder an :-)))

    Melody am 02/22 um 10:51 PM
  8. nach ausgestandenem keuchhusten sind nun alle wieder fit :)

    hast du schon die bilder von k2 und k3 mit brille gesehen? oh seh gerade du hast es schon gesehen :)

    das war mal ne sonnenbrille und nun spielt mausi immer lehrerin für die puppen, einfach nur göttlich süß

    doch ich kenne solche kinder, dass sind die die zu hause meistens vor den fernseher geparkt werden, die kann man kaum noch zum richtigen spielen bringen. hab einige exemplare davon in der verwandtschaft ... leider

    unser hingegen sind laut, energiegeladen und machen jeden sch… mit :)

    seyrah am 02/23 um 12:13 AM
  9. ja, aber anders anstrengend, aber ich bin ja selbst schuld, wenn ich mit mehr als 40 Jahren noch zwei Kinder haben muß ;-)und nun mal kein Zettel zum Umtauschen dran war….

    vielleicht sollte ich auch mal ein Blog schreiben, aber die Idee lebt nur immer dann auf, wenn Kind 3 wie jetzt ein paar Tage Urlaub im Kinderhospiz macht und ich frei habe ...jippie

    lg gudrun

    Gudrun am 02/23 um 06:56 AM
  10. ich bin das beste beispiel dafür, wie mütter ihre kinder beeinflussen - hier im negativen sinne. ich habe heute mächtig damit zu tun, mir dieses hibbelige und übereifrige mühsam abzutrainieren. erst seit ich mich von meiner mutter gelöst habe und mir bewusst distanzen schaffe, wird es besser.

    es muss nicht so sein, dass angestrengte kinder angestrengte eltern haben, aber wegdiskutieren kann man es sicherlich auch nicht immer.

    umso schöner, wenn die kleine prinzessin entspannt ist, die mama entspannt ist und alle sich nicht mehr stress machen müsen als nötig ;o)

    liebe grüsse!

    Cecie am 02/24 um 12:18 PM
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