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Bloggende Väter
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So kann man den Spaß an Integration auch verlieren.
Die Montagskrabbelgruppe ist eine offene Veranstaltung, jeder mit einem Kleinkind kann teilnehmen und es gibt keine Leitung, sondern alle beschäftigen sich selbst. Normalerweise trifft man sich von 10 bis 12 Uhr, heute aber leerte sich der Raum bereits um kurz nach 11 schlagartig – alle packten stumm ihre Sachen zusammen und gingen heim.
Auslöser war die Mutter, die seit mehreren Wochen ihren kleinen Sohn dorthin bringt, um dann mit ihrer Freundin in ihrer Muttersprache zu schwätzen, während die beiden kleinen Jungs herumkollern, sich aufführen wie Babypaschas und auch überschwänglich und ausführlich getröstet werden bei jedem Scheiß, sich also keinerlei Sozialverhalten erarbeiten müssen. Nur wenn die jeweilige Mutter nicht gerade draußen rauchen ist oder mit ihrem leider dort ebenfalls abhängenden und schwätzenden Mann schwatzt, versteht sich.
Heute aber hat sie nicht nur geschwatzt, sondern das rumeiernde Baby einsammeln wollen – er hat sie dann feste an den Haaren gezogen, wohl einfach weil er rundum verzogen ist oder so scheint es mir jedenfalls – und daraufhin hat sie ihn wutentbrannt geschlagen.
Nicht nur einen Klaps auf die Hand oder auf den Hintern, sondern richtig brutal viele Male mit voller Wucht auf das sich schnell rötende Händchen.
Alle Anwesenden bis auf diese zwei Familien waren völlig schockiert.
Oliver, der zwei Meter hinter ihr mit der Tochter auf dem Boden rumkollerte, meinte sehr laut “Hey!” und daraufhin hörte sie dann auf. Ich muss irgendwas im Sinne von “Was bitte soll das denn?!” gefragt haben, denn sie rechtfertigte sich daraufhin noch wütender, dass das Baby (!) ihr schließlich sehr weh getan habe, schüttelte theatralisch die mottenzerfressene Frisur und wurde richtig aggressiv.
Da ich die Befürchtung hatte, dass es dem Kind nicht so richtig gut bekommen würde, wenn seine Erzeugerin in diese Stimmung gerät, habe ich in dem Moment nichts weiter gesagt - die andere türkische Mutter und ihr Mann gingen auch sofort neben sie, gaben merklich Rückendeckung und wechselten sofort nachdrücklich (sie schützend) das Thema.
Das war dann der Moment, als alle anderen irgendwie anfingen, ihre Jacken zu holen.
Die beiden Schwätzmatronen samt Paschababys und Aufsicht waren schnell weg, aufräumen ist ja auch nicht wirklich lustig. Als ich die verbleibenden Mütter fragte, ob wir denn da nicht was machen sollten, zumindest beim nächsten Mal dringend darüber sprechen, bekam ich interessante Antworten.
Spanische Mama meinte, man dürfe sein Kind keinesfalls in der Öffentlichkeit so feste schlagen, wenn andere Leute zusehen würden, reiche doch in jedem Fall ein Klaps - und was diese Leute zuhause machen würden, ginge niemanden was an. Aber auf gar keinen Fall dürfe man sowas in der Krabbelgruppe tun.
Die vietnamesische Mama meinte, man könne sein Kind doch nicht so feste schlagen, wenn andere zusehen, also auf gar keinen Fall in der Krabbelgruppe. Sie würde ja zuhause auch klapsen und mal ein bisschen hauen, aber auf gar keinen Fall, wenn andere dabei seien. Einmischen dürfe man sich aber keinesfalls, man wisse ja auch nicht, wie solche Menschen dann reagieren.
Ich muss sehr hilflos geguckt haben.
-
Meinst Du wirklich, dass das was mit der Nationalität zu tun hat? (Ich hätte genauso geschaut)
Frau Brüllen am 03/17 um 07:56 AM -
*puuhh*
:-(
Biggi am 03/17 um 08:00 AM -
Nicht wegen der Nationalität, sondern wegen mangelnder Integrationsbereitschaft - wobei gestern wir die einzigen “Deutschen” waren, es vermutlich eher um unsere Integration ging :-) trotzdem drückt der Titel des Postings aus, was ich meine. Es geht ja um uns und um die konkrete Situation, nicht um große Politik.
Wenn man sich nur mühselig verständigen kann und zwar mangelns Bereitschaft, die anderen die ganze Zeit eine fremde Sprache sprechen und dann fällt sowas vor und die Damen samt mitschwatzendem Ehemann verschanzen sich sofort miteinander gegen jedes Gespräch? Ja, ich finde schon, dass das eine andere Sorte Problem ist, als wenn alle sich fliessend verständigen können und auch signalisieren, dass sie das überhaupt wollen und dass die Kinder deutsch sprechen lernen sollen. Zumal es ja keine Leitung gibt, die sich “offiziell” hätte äussern können.
Die “spanische” und die “vietnamesische” Mama sprechen so viel Deutsch wie möglich, bringen keine Freundinnen fürs heimatsprachliche Dauer-Schwätzchen mit und haben beide gesagt, sie möchten, dass ihre Kinder die Sprache lernen. Zwar wollten sie sich raushalten, aber immerhin konnte man erst mal sprechen.
Biggi, puh allerdings :-(
Melody am 03/17 um 08:49 AM -
OK, eingesehen ;-)
Ich finde es trotz mangelnder Wirkung sehr gut, dass ihr euch “eingemischt” habt.
Ich weiss nicht, ob ich in so einem Fall nicht zu perplex wäre, um überhaupt was zu sagen (wobei ich sowas bisher auch noch nie beobachtet habe).Frau Brüllen am 03/17 um 09:24 AM -
Wir haben ja nur spontan reagiert, und gebracht hat es nichts. So wie Oliver das “Hey” rausrutschte, so natürlich war diese Art der Konfliktlösung wahrscheinlich für diese Mutter, ich hatte jedenfalls nicht den Eindruck, dass sie im Nachhinein geschockt über sich selbst war.
Sprich: Ob das ein seltener Ausrutscher war, bezweifele ich irgendwie.
Ich habe das Kind dann die ganze Zeit beobachtet, die sie noch da waren und er war merklich artiger, aber nicht irgendwie verstört oder ängstlich. Die Stimmung im Raum war aber auch auf bemerkenswerte Art und Weise “gekippt”, das haben auch die Kleinen gemerkt.
Immerhin etwas.
Auf meinen Vorschlag hin, darüber zu sprechen, kam als Antwort (und ich bitte zu bedenken, wir waren die einzigen “Deutschen” *g*), dass man schon mal “so ein Problem” mit “solchen Leuten” - also Verwandte und Freunde mitbringende Cliquen, die sich nur muttersprachlich unterhielten - gehabt habe, und da hätte man einfach eine zweite Krabbelgruppe zu einem anderen Termin gegründet.
“Die” hätten dann die erste Gruppe einschlafen lassen, was ich unbesehen glaube, haben die Paschamamas doch bereits nach 15 Minuten beim allerersten Mal herumgestöhnt, wie langweilig das doch alles sei (ernsthaft).
Melody am 03/17 um 09:42 AM -
Schwieriges Thema. Wir sprachen gerade am Sonntag darüber, als meine Tante und mein Onkel bei meinen Eltern zu Besuch waren. Die haben natürlich (also die ältere Generation) erst mal pauschal darüber geschimpft, dass “Die” sich nur in ihrer Sprache verständigen. Ich meinte daraufhin dann nur, dass sie als Deutsche sich im Ausland mit Sicherheit auch in ihrer Muttersprache unterhalten würden, wenn andere Deutsche dabei sind, weil es einfacher ist. Das es unhöflich ist, steht außer Frage. Allerdings ist es eine andere - recht unsinnige - Sache, zu einem Treffen zu gehen, das ja den Kontakt zu anderen Eltern und Kindern zum Zweck hat, und sich da dann auszugrenzen. Und über die Schläge sag’ ich jetzt nichts, denn dann werde ich wahrscheinlich zu ausfallend.
Silke am 03/17 um 01:04 PM -
Meine ganze Toleranz gegenüber Ausländern, die hier leben möchten, aber die Sprache nicht lernen wollen und auch kein Englisch etc können, ist an dem Tag vollständig verpufft, als ich Unfallzeugin an einer Hauptstraße wurde, die marokkanische Isch-nix-vastäh-Mutter mir ihre drei jüngsten Kinder auf den Arm drückte und mit dem schwer verletzten Kind im Unfallwagen verschwand, den Passanten gerufen hatten - laut kreischend, mit den Fäusten hämmernd und nicht in der Lage, auch nur einen Satz zu verstehen, den die Ärzte zu ihr sagten. Ich stand dort an der Hauptstraßenkreuzung mit den Kleinen, bis eine Freundin der Familie (auch-nix-vastäh) vorbeigeeiert kam und die Kinder einkassierte. Jedenfalls hoffe ich, dass es eine Freundin der Familie war.
Will man darüber nachdenken, was geschieht, wenn so ein Mutterviech im Krankenhaus wichtige Entscheidungen treffen sollen müsste, aber die Ärzte nixverstäht? Ich lieber nicht.
Melody am 03/17 um 01:52 PM -
P.S. die beiden Damen aus der Krabbelgruppe sprechen zwar untereinander stundenlang türkisch, ganz wunderbar auch deutsch, wenn sie was möchten, aber das war eh klar :-)
Melody am 03/17 um 01:59 PM -
Ob deutsch, türkisch oder österreichisch ist doch auch egal. Bei uns in Österreich ist das Schlagen von Kindern seit (mitte der 1980er?) per Gesetz verboten. Wird in Deutschlang wohl nicht viel anders sein.
Trurig, sowas. Ich weiß nicht, wie ich da reagiert hätte. Freundlich sicher nicht.Lydia am 03/17 um 04:03 PM -
Was das Schlagen angeht, ist die Nationalität egal, das stimmt. Aber uns vergeht in diesem Schmelztiegel der Nationalitäten langsam aber sicher die Lust darauf, dort noch mitzumischen.
Keiner hat freundlich reagiert, und es war auch sonnenklar, warum sich alle auf einmal der Tür zuwandten. Dieser Mutter konnte man aber auch anmerken, dass sie sich im Recht fühlte, schließlich war sie an den Haaren gezogen worden, oh heilige Wut (kein Kommentar). Alle anderen scheinen der Meinung zu sein, dass man sich besser nicht einmischt.
Was also tun? Hoffen, dass wenigstens EINE weitere deutsche Mutter dabei ist nächstes Mal und wieder aufwärmen? (Damit man nicht alleine gegen das Unverständnis dasteht, denn das Schlagen an sich fanden die alle nicht so schlimm, nur die Öffentlichkeit dabei.)
Ah, Mist. Eine sch…. Situation.
Melody am 03/17 um 04:38 PM -
Sehr erschreckend finde ich, dass offenbar immer noch viele Eltern ihre Kinder schlagen - unabhängig von der Nationalität.
Ines am 03/18 um 06:48 AM -
Ja, natürlich.
Hier kamen ja gleich mehrere problematische Situationen zusammen und die verschiedenen Nationalitäten oder meinetwegen Mentalitäten waren aber auch eins. Mir war vorher nicht klar, wie sich eine ganze Veranstaltung verändert, wenn zwei oder drei die ganze Zeit in ihrer Fremdsprache miteinander reden, die anderen ignorieren, immer rausrennen, sich mit erwachsenen Freunden und ihren Männern treffen anlässlich eines Baby-Spieltreffs ... sich aber auch nichts sagen lassen, sich nicht unterhalten wollen und bei Problemen aggressiv werden, auf einmal nichts mehr “verstehen” wollen.
Melody am 03/18 um 07:35 AM -
Hast Du Dir denn noch nie überlegt, warum die wirklich kleinen Kinder von beispielsweise türkischen Familien auf der Straße laufen ohne, dass sie diese an der Hand halten (was ich bei einem Kind in dem Alter lieber nicht täte) und die trotzdem beim kleinsten «piep» hören wie die Roboter?
Wie auch immer, unhöflich ist es so oder so in einer gemeinsamen Gruppe sich nicht auf eine gemeinsame Sprache einigen zu können. Man kann dann schon mal die nehmen in deren Land man sich gerade aufhält. Und man muss aber auch die Leute dann darauf ansprechen, ob sie das vielleicht abstellen können. Ich meine, wir regen uns zwar immer gerne auf darüber, dass sich Integranten angeblich nicht auf unsere Kultur einlassen wollen, weisen sie aber auch nie daraufhin, wenn sie dagegen verstoßen – so können sie das nicht lernen, fürchte ich.
Ich finde es persönlich auch absolut nicht passend (vom gesetzlichen Standpunkt ganz abgesehen), Kinder auf diese Art zu erziehen und verstehe das Entsetzen. Nur ob man mit dieser Reaktion irgend etwas erreicht? Ich glaube, man kann da nur sagen «Du weißt, dass das Schlagen von Kindern in diesem Land verboten ist und Dich jeder hier aus der Runde anzeigen könnte?» Vielleicht kommen sie dann ins Grübeln, weil es eine andere Ebene des Verstoßes ist, die ihnen dann vielleicht klar wird. Vielleicht auch nicht. Aber vermutlich gibt es für solche Fälle wirklich keine perfekte Lösung.
creezy am 03/21 um 04:45 PM -
Heute habe ich sie getroffen - wohnt scheinbar eine Straße weiter. Sie hat mir erst sehr zögerlich, dann ganz erfreut erzählt, wie es so geht und dann gemeint, dass auch der “Kleine jetzt völlig stressfrei” ist.
Ich hoffe mal, das interpretiere ich richtig als Entwarnung, aber so war mein Eindruck :-)
Melody am 06/26 um 04:36 PM
