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Bloggende Väter
(Ausbaufähig.)
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So viel dazu (neuneinhalb Wochen)
Wir haben diese Wohnung ausgewählt, weil sie zwar am Waldrand und in der Nähe des Sees liegt, aber auch von Straßenbahnen und Stadtschnellbahnen umzingelt ist, die man jedoch nicht hört. Auch zum Flughafen sind es nur 10 Minuten, auch den hört man nicht.
Theoretische Überlegung war stets: Da die Einkaufsstraße knapp fünf Fußminuten entfernt liegt und vom Drogeriemarkt über Ärzte und Banken bis hin zu Supermärkten alles bietet, erfordert unsere Wohnlage nicht unbedingt ein Auto. Wir können also auch ohne. Dachten wir.
Dann verstarb das Auto und eine Wiederbelebung hätte nicht mehr gelohnt. Da der Mann noch in der Elternzeit ist und nur zwei Tage in der Woche zur Firma fährt, wollten wir den Sommer über ohne Kfz klarkommen.
Seine Firma zieht nämlich in den nächsten Monaten um. Sogar ganz nah an uns heran, so wie es aussieht - und man kauft nun mal ein anderes Auto, wenn man 500m Arbeitsweg hat, als wenn es 90 km sind. Ich jedenfalls tue das - ich lege nicht viel Wert auf den Gebrauchsgegenstand Auto als Statusobjekt.
Erst mal abwarten also, und dann das passende Fahrzeug besorgen.
Alles schien also logisch, so erst mal ohne Auto.
Es klappte auch.
Vieles ist ja auch eine Frage der Organisation,der Zeitplanung, eines guten Rucksacks und eines kräftigen, wesentlich jüngeren Ehemannes, der seine Oberschenkelmuskeln beim manuellen Einkauf aufs Angenehmste trainiert.
Alles bestens.
Bis auf die täglich wiederkehrenden und allmählich doch etwas ermüdenden Erläuterungen, warum wir uns dafür entschieden hatten, es ohne Auto zu versuchen. Die Versuche der Verwandtschaft, uns ihren knapp noch fahrbaren Schrott zu schenken, weil sie sich was Besseres zulegen wollten. Die lieben Freunde, die darauf bestanden, uns zu chauffieren, weil es ihnen so undenkbar schien, dass wir die Öffentlichen nahmen.
Und nicht zuletzt die Öffentlichen, die aus einem bisher 20minütigen Arbeitsweg des Mannes schon mal zweieinhalb Stunden machten durch immer neue Spässken, die man mit Baustellen oder Umleitungen oder Unfällen oder Fehlplanung so machen kann.
Neuneinhalb Wochen hat es gedauert.
Neuneinhalb Wochen lang habe ich immer noch allen geduldig erklärt, warum unsere Wohnlage kein Auto erfordert und wir erst mal abwarten mit der Anschaffung. Haben wir Taxen mit Kindersitz und die öffentlichen Verkehrsmittel genutzt und es hat prima geklappt.
Irgendwann wäre es sicher auch so weit gewesen, dass nicht mehr alle so unglaublich perplex reagiert hätten auf die Ansage, dass wir autofrei sind.
Was allerdings gar nicht ging und auch nicht besser wurde, war der sich endlos hinziehende Arbeitsweg des Mannes mit immer neuen blöden Umleitungen etc.
Die für März versprochene Info über den geplanten Umzug steht immer noch aus. Es kann sich noch ewig hinziehen, bis wir mehr über den neuen Standort wissen, aber die Fahrerei über Land mit Klüngelbus und unzuverlässigen Bahnen geht so nicht weiter.
Man muss nicht zwölfeinhalb Stunden aus dem Haus für acht Stunden Arbeitstag, das rechnet sich einfach nicht.
*
Wir haben also wieder ein Auto, wenn auch nur eine Art kleinen roten Einkaufskübel. Reicht aber. (Mazda irgendwas)
Gestern beschlossen, am Abend bei mobile.de gefunden, heute morgen hat der Mann besichtigt und eine Stunde später bin ich schon vom Verkäufer eine halbe Stunde lang am Telefon angeschrieen worden, weil er unter Probefahrt was anderes verstand als der Mann.
Genau genommen hat der ältere Mann nämlich wohl gedacht, der Mann fährt einmal die Straße runter und zwar allerhöchstens 100m, um zu sehen, ob der Wagen noch fährt oder so (sehr seltsam irgendwie).
Während der Mann davon ausging, den Wagen durchaus auch eine halbe Stunde zur Probe zu fahren, wie er es gewohnt war von anderen Autokäufen ... und durch dieses Missverständnis durften sowohl die Kinderfrau als auch ich uns am Telefon einen tobenden schimpfenden Rentner anhören, der wohl trotz aller Daten, Adressen und Telefonnummern, die ihm inklusive Pfand vorlagen, völlig hysterisch mit der Polizei drohen musste, weil er die Probefahrt für seinen privaten Geschmack wohl zu ausgiebig fand.
Zweimal.
Denn nachdem das Missverständnis geklärt und das Auto angezahlt war, hat er noch mal genau so lange und genau so anstrengend und aufgeregt angerufen, um sich für sein Benehmen zu entschuldigen :-)))))
-
diese geschichte könnte auch aus meinem leben stammen. ich bin froh, dass die finanzierung hier geklärt ist und ich mir keine sorgen ums auto machen muss. in B fahren die öffentlichen sehr gut, aber für tierarzt, einkäufe, opabesuch isses ohne schon seeeehr mühsam. allerdings kommt mir nur noch wolfsburger marke ins haus resp. vor die tür.
fährst du oder nur er!? *gg*
liebe grüsse!
Cecie am 04/23 um 06:59 AM -
Also, ich fand’s nicht verwunderlich. Ich habe seit 1987 den Führerschein - aber erst seit 2005 ein eigenes Auto, als ich dann eben mit Saskia alleine zu Hause war und Einkäufe samt Baby mit den Öffentlichen dauerhaft nicht zu machen waren.
Ab und an ein Taxi war in den Jahren davor war immer noch billiger als ein Auto samt Versicherung, Steuer, Wartung, Sprit etc. Und in der allergrößten Not gibt es ja auch noch Autovermietungen.
Meine Hoffnung ist immer noch, den zweiten Wagen irgendwann wieder abschaffen zu können. Ernsthaft. Ich fahre nicht gerne. Ich fahre nur, weil und wenn ich muß.
Ute am 04/23 um 07:15 AM -
Wir gehen mit unseren Kindern zu Fuß zu den Bildungseinrichtungen. Die meisten Erledigungen im Ort machen wir zu Fuß. Wir gehen spazieren und auf Spielplätze und zum See - alles zu Fuß. Und wir werden immer wieder gefragt, ob wir denn kein Auto haben, weil man uns damit halt so gut wie nie sieht. Manchmal schwingt auch ein mitleidiger Unterton mit.
Für die Zukunft könntest Du Dir T-Shirts mit einem Foto des neuen Autos bedrucken lassen. Oder eine Werbeplane für die Seiten des Bollerwagens. I love Mazda auf die Stirn tätowieren lassen vielleicht. ;-)
Lydia am 04/23 um 07:16 AM -
Cecie: Öffentliche, die wirklich gut fahren, das ist beneidenswert. Ich hatte mir das echt anders vorgestellt.
Den roten Kübel fährt der Mann :-) denn er ist für seinen Arbeitsweg bestimmt.
Mit Finanzierungsnöten hat das aber nichts zu tun - es war eine bewusste Entscheidung, nur einen kleinen Gebrauchtwagen zu kaufen, der jetzt erst mal bis ans Ende “seiner” Elternzeit durchhält :-))) und auch als Baustellenauto dienen kann, ohne dass man sich nachher über den unweigerlich eintretenden Verschleiss ärgert, wenn man doch mal Schuttkübel wegfährt oder Holz damit holt.
In anderthalb bis zwei Jahren sieht unsere Bedarfswelt dann wieder völlig anders aus (und der TÜV des roten Knubbels vermutlich auch ...)
Melody am 04/23 um 07:17 AM -
Ute: Ja, ich weiß - ihr wart aber auch die Ausnahme :-))) selbst Hs Patentante hat ganz erstaunt gemeint, NORMAL seie das aber heutzutage nicht mehr (dafür ist es vermutlich völlig normal, wenn sich Paare unter 30 gleich doppelt mit Autokrediten verschulden, nach so einem unverantwortlichen Mist fragt nämlich keiner zweimal ...)
Lydia: Fotos mit einem 16 Jahre alten Mazda sind bestimmt super zuträglich für die Image-Pflege *LOL* Aber ich könnte auf den Bollerweigen ein Nummernschild machen, das wär was :-))))
Melody am 04/23 um 07:21 AM -
ich hab dich schon richtig verstanden. ohne den neuen job wäre das auto womöglich nicht mehr finanzierbar gewesen und hätte mir ein echtes problem bereitet. ich fahre auch mit absicht ein klitzekleines auto (polo, gebraucht, du erinnerst dich?), aber eben auch mit absicht - und nicht etwa aus nationalbewusstsein, sondern aus anderen gründen.
und obwohl die öffentlichen hier gut fahren, fahre ich zur liebsten freundin mit dem auto 15 min, mit den öffentlichen über eine stunde (wenn alles gut geht). Yokis katzenzahnarzt ist ebenfalls 40 autominuten entfernt und mindestens noch 1 jahre fallen regelmässige zweiwöchentliche besuche an. natürlich könnte ich das auch über taxi und/oder autovermietung o.ä. machen, aber für mich (!!!) ist es ein grosses stück freiheit, für das ich gern ggf. auf anderes verzichte. wenn ich allerdings auf katzen UND auto (und die katzen sind mein teuerstes hobby) verzichten sollte, würde es seeeeehr schwer ;o)
worum gings grad noch? *kicher*
liebe grüsse!
Cecie am 04/23 um 06:16 PM -
Autos :-) wir haben gerade unser ehemaliges Kennzeichen wieder aktiviert ... aus romantischen Gründen (es ist u.a. das Hochzeitstagdatum) und konnten sogar die alten Nummernschilder dafür weiterverwenden.
Der rote Kleinkübel ist also jetzt angemeldet, für Oliver ist es wesentlich besser so. Wesentlich.
Denn ganz klar ist ein Auto auch viel Freiheit, da stimme ich dir zu.
Melody am 04/23 um 07:13 PM
